Donnerstag, 28. August 2014

Weitradln in Schwedens Weite, 26.08.14

Wir wachen auf und schon stehen zwei Autos auf dem Parkplatz, vermutlich von weiteren Jäger*innen, nachdem wir öfter Schüsse hören. Wir packen also unsere Bikes und probieren den Weg vom Parkplatz aus in den Wald. Aber schon nach 5 Minuten müssen wir umdrehen, weil der Weg im Sumpf endet. Also fahren wir mit dem Auto weiter und starten erneut bei einem grossen Parkplatz, wo auch Wanderungen angeschrieben sind. Perfekt, sogar auf der Schwedenkarte auf meinem Navi ist der Weg eingezeichnet. Etwa 30km soll die Runde lang sein. Wir düsen also recht flott eine Schotterstrasse in die Weite von Schweden hinein, bis wir zu einer Brücke kommen. Allerdings ist die Hängebrück halb zerissen und zwei Bauarbeiter bauen gerade eine neue. Also furten wir den Fluss. Dabei frieren uns regelrecht die Zehen ein. Danach fühlt es sich aber gleich noch viel besser an, weil die Füsse nun gut durchblutet sind. Die Strasse verliert sich immer mehr in der Landschaft und geht zu einem Singletrack über. Der Weg ist gar nicht einfach zu fahren, jedoch absteigen und schieben müssen wir erstaunlich selten. Etwa bei der Hälfte der Strecke spüren wir bereits unsere Mägen, denn die drei Müsliriegel waren nicht für eine so lange Route gedacht. Johannes hat noch einen Reservemüsliriegel mit, den wir dann gegen Ende der Tour verzehren. Nach dem es nun die ganze Zeit eigentlich recht flach dahin geht, freuen wir uns, dass am Schluss noch ein kurzer Downhillteil kommt. Der macht dann aber auch richtig Spass und besonders cool sind danach die Stege über Sumpf und Bäche. Denn hin und wieder ist ein Brett eingebrochen, oder der Spalt zwischen den zwei Brettern ist so gross, dass wiedermal genau der Reifen hinein passt, sodass wir eigentlich mit nur einem Brett auskommen müssen. Tja, da landen wir halt mal immer wieder im Gatsch ;)
Beim Auto essen wir alles was wir finden können und nicht kochen müssen, unser Hunger ist ja riesig!!! Und wiedermal düsen wir Richtung des nächsten Campingplatzes, aber schon nach ein paar Minuten ist der Blick mit untergehender Sonne so schön über dem Hochland, sodass wir bei einem Fluss (eher breites Rinnsal) unser Zelt aufschlagen und bei den letzen Sonnenstrahlen zu Abend essen. Endlich mal wieder eine echt coole Stimmung (hatten ja die letzten Tage eher viele Wolken und Regen).
Ganz schön weit...
Kalte Füsse
YAY, Downhill!!
Wo ist denn da der Weg??
Ab durch den Sumpf!
Unter dem Regenbogen :)

Gemütliches Abendessen
Gute Nacht!

Wanderung im Jagtgebiet, 25.08.14

Unsere Wanderkarte
Als wir unsere Sachen für die Wanderung in das Naturreservat Marsfjället packen, kommt gerade ein Wanderer zurück, der dort irgendwo in den Bergen übernachtet hat. So ein Glück, er hat eine Wanderkarte dabei und ich darf ein Foto machen, sodass wir auch eine haben (zumindest am Kameradisplay). Bei abwechselndem Wetter mit Sonne, Wolken und Regen gehts zuerst einen netten Pfad entlang und anschliessend wild den Berg hinauf. Auf dem Weg hören wir einen Schuss und sehen, dass unten im sehr weiten und flachen Tal gerade ein*e Jäger*in geschossen hat. Vermutlich auf einen Vogel, denn die Vogeljagtsaison hat schon begonnen. Am Kamm zum Gipfel hinauf hören wir auf der anderen Bergseite ebenfalls immer wieder Schüsse und sehen auch diesmal wieder zwei Jäger*innen. Da ist ja ganz schön viel los und das mitten am Tag...


Ziel in Sicht
Kein Gipfel ohne Selfie ;)
Aussicht nach rechts...
...und nach links
Auf dem Weg bergab begegne ich den Resten der Rentierjagt von vergangenen Jahren. Eine der Trophäen schleppe ich mit zum Auto :)
Verschwitzt füllen wir unsere Mägen mit dem täglichen “Mittagessen”: Brot mit Käse und/oder Salami. Wir düsen zum nächsten Campingplatz und freuen uns schon auf die warme Dusche, aber anstatt dieses Genusses “müssen” wir in einem recht kalten See baden. Der Campingplatz hat schon geschlossen und schön ist er auch nicht. Der Wildcampplatz liegt für uns dann auf einem kleinen Parkplatz neben der Strasse, zwar nicht sehr romantisch, aber Zweck erfüllend.
Gallionsfigur

Nacht am Feuer, 24.08.14

Es geht weiter Richtung Süden. Wohinn genau wissen wir wieder einmal nicht. Im Strassenatlas lacht uns eine grün hinterlegte Landstrasse (besonders schöne Strecke) an, welche an mehreren Naturreservaten vorbeiführt. Da muss es doch etwas schönes zu erleben geben! Nach einigen Kilometern auf dieser Strasse sehen wir linkerhand einen schönen Wildfluss. Pause haben wir zwar gerade erst gemacht, aber eine Video- und Fotopause muss hier schon sein! Nur einige Kilometer weiter lacht uns ein weitläufiger Stufenwasserfall an. Zweite grosse Fotopause!


Pause Nummer 1
Pause Nummer 2
Making Of einmal anders
Nun ist es schon langsam Zeit einen geeigneten Schlafplatz zu suchen. Auf der Karte finden wir eine Strasse, welche direkt zum Marsfjällen Naturreservat fürt. Vom Ende dieser Strasse führt ein Wanderweg in das Naturreservat. Wir folgen diesem Weg und finden nach einigen hundert Metern ein nettes Hüttchen mit Tisch und Klo davor, sprich alles was man für eine angenehme Uebernachtung benötigt. Ein Einheimischer, der hier gerade alles für den Winter vorbereitet (welcher hier schon bald kommt), erlaubt uns die Hütte zu verwenden. Normalerweise kostet die Benutzung, da die Saison aber bereits zu Ende ist dürfen wir sie einfach so benutzen. Nach dem Abendessen wird es frisch und wir verkriechen uns in das Hüttchen, wo wir uns ein warmes Feuer machen. Schnell wird die Gitarre ausgepackt und zur Melodie von Bring 'em Home ein Ständchen geträllert. Während ich meinen Schlafsack in der warmen Hütte herrichte, bevorzugt Lukas im kalten Regen sein Zelt aufzubauen, um darin zu schlafen. Viel von meinem Schlafsack muss ich aber nicht beanspruchen da die Glut, auf welcher noch ein paar Flammen züngeln, angenehm wärmt.
Unser Quartier
Unsere Aussicht

Bring 'em Home...

Viel Verkehr ist hier ja nicht, 23.08.14

Aber jetzt müssen wir das Auto einräumen, also wird auch gleich das Chaos beseitigt und diesmal wirklich! Nach dem wir beschlossen haben, dass es weiter in den Süden geht, sitzen wir schon im Auto und brettern 100km/h auf den überfüllten Strassen mitten in der Pampa von Schweden dahin. Der Verkehrsstau scheint sich nicht aufzulösen (es gibt hier ja auch nur eine Strasse). Und dann biegen wir noch auf die falsche Strasse ab, wissen nicht mehr wo wir auf der Karte sind, denn hier heissen alle Orte fast gleich. Einmal “Auktsjaur”, einmal “Arvidsjaur” und einmal “Arjeplog”. Wie soll man die auseinander halten?? Mit Hilfe von GPS bemerken wir, dass wir ja schon viel weiter sind als angenommen. Wow, in Norwegen hätten wir für diese Distanz 3 Tage gebraucht. Da war auch wirklich mehr Verkehr; Ende Juli Anfang August sind halt doch mehr Toursit*innen unterwegs und 80km/h Geschwindigkeitsbegrenzung. Ja, vielleicht konnten wir zwei oder drei Autos zählen, die uns heute auf Schwedens Landstrassen entgegen gekommen sind.
Nach dem wir uns ja jetzt durch einen ganzen Tag im Internet hängend genug vom intensiven Naturerlebnis im Sarek Nationalpark erholt haben, süchteln wir wieder etwas Natur, am Ufer eines netten Sees, mit einer kühlen Brise Wind und wieder einmal Sonnenuntergang mit spektakulären roten Wolken.
Schon weg das Rot...

Der Heimatalltag, 22.08.14


Wir beschliessen heute wieder einen Pausetag einzulegen, um erstens mein Knie zu schonen, das Chaos mal wieder in Ordnung zu bringen und, vor allem, gibt es heute Nacht Chancen auf Nordlichter. Mal schauen... Was machen wir also den ganzen Tag? Nichts. Also nichts Bedeutendes. Das Chaos bleibt, wie die Tage zuvor. Der Laptop ist in Dauerbetrieb, weil hier am Campingplatz das Internet ja gratis ist. Also erholen wir uns von der vielen Natur und üben unseren üblichen Alltag aus: Essen – Computer/Internet – Essen – schlafen gehen! Naja, kurz nach Mitternacht schauen wir auf den Himmel und müssen feststellen, dass sich die Wolken noch immer nicht verzogen haben. Und die Nordlichter sind nur auf einen 2er prognostiziert, also bräuchten wir schon sehr viel Glück. Aber immerhin sehe ich wieder den ersten Stern seit über einem Monat. Hat auch was Aufregendes an sich :) Nun müssen die Nordlichter halt doch noch warten.
Abendlicht statt Nordlicht fotografieren

Freitag, 22. August 2014

Bärenjäger, 21.08.14

In der Nacht hat es ordentlich abgekühlt, sodass es sogar in unseren dicken Schlafsäcken recht kalt war. Wir wollen gar nicht aus dem Zelt schlupfen, denn draussen ist es noch kälter, brrrrrr!
Ab in die Kälte
Wir wärmen gerade unsere Hände am heissen Teehäferl auf, als eine neuseeländische Wandergruppe grossteils in KURZEN Hosen an uns verbei geht. Die haben den warmen Tee wahrscheinlich schon getrunken... Wir packen unser Zelt ein und schon sehen wir den nächsten Wanderer (mit Hund), allerdings aus Richtung des Nationalparks kommend. Das Erscheinungsbild dieses Wanderers finde ich gleich sehr spannend: Die Lederbergstiefel lässig locker gebunden, worüber die Outdoorhose fällt. Gehalten wird sie durch zwei mit Nieten bestickten Gürteln an denen zwei traditionelle Samenmesser baumeln. Schief am Kopf sitzt eine Hip-Hop-Kappe und neben dem kleinen Rucksack hat er auch ein Gewehr umgehängt. Ich schätze der Wanderer ist nicht älter als 25 Jahre. Er erzählt uns, dass ihm hier ein paar Rentiere gehören und er dort oben eine kleine Hütte hat, wo er übernachten kann. Er selber lebt aber in Jokkmokk. Das Gewehr hat er dabei, weil nun die Bärenjagtsaison beginnt und etwas ausserhalb des Nationalparks Bären gibt (im Nationalpark ist Jagdverbot). Das wäre allerdings nicht sein erster Bär, den er erledigen würde... die armen!!! Aber anscheinend gibt es hier recht viele Bären, sodass deren Jagd sich nicht negativ auf deren Bestand auswirkt.
Was nun für mich daran so interessant scheint, ist die Kombination aus mehreren Generationen und Kulturen in einer Person: Die Hip-Hop-Kappe stammt vermutlich aus der Jugendszene der westlichen Kultur. Die traditionellen Samenmesser sind wahrscheinlich für ihn kein Schmuckstück, sondern ein Gebrauchsgegenstand, wie für die Samen auch schon vor hunderten Jahren. Er züchtet Rentiere und jagt Bären, schon wie seine Vorfahren und ist selber aber erst mitte zwanzig. Den Wanderweg geht er wie ein*e Wiener*in die Mariahilferstrasse auf und ab und auch die locker geschnürten Stiefel sind ein Zeichen für die Gewohntheit dieser Gegend. Im Vergleich dazu haben touristische Wanderer*innen top Outdoorausrüstung immer perfekt sitzend an.
Alles beisammen machen nun auch wir uns auf den Weg Richtung Auto. Bei jedem Schritt verbessere ich meine Gehtechnik um ein halbwegs brauchbares Tempo ohne Schmerzen im Knie hin zu bekommen. Während dem Gehen bekomme ich immer mehr Lust noch einige Tage hier im Nationalpark dranzuhängen und eine richtig grosse Runde zu gehen. Mein Knie ärgert mich ja ganz schön :(!!!! Was solls, muss ich halt mal wieder hier her!
Beim Auto bin ich doch wieder froh nicht mehr gehen zu müssen und mein Knie schonen zu können, ganz ohne Schmerzen hab ichs wohl doch nicht hinbekommen. 
Zum Glück riechen Bilder nicht!!
Nun düsen wir zurück zum Campingplatz in Jokkmokk und...aaahhh...eine heisse Dusche :) Nun wird frisch gekocht: Karotteningwergemüse mit Reis uns Spiegelei, bzw. Käsekrainer für Johannes. Lecker!!!

Blick in die Freiheit, 20.08.14

In der Früh weckt mich das Geräusch von Rentierhufen auf, deren Besitzer neugierig unser Zelt besichtigen. Der Regen ist weitergezogen und wir sehen sogar etwas blauen Himmel zwischen den Wolken. 
Unser Ersatz-Kikeriki :)
Heute soll es über den Sattel zwischen Boarektjahkka und Stuor Jiertta zur Renvaktarstuga gehen (Und? Wisst ihr wo's hingeht? ;)). Nahe am Sattel meldet sich Lukas' Knie zu Wort; nach einem Sturz am Vortag (bedingt durch den rutschigen Boden) ist es nun beleidigt und hindert ihn am Weitergehen. Also nehmen wir die Landkarte zur Hand und suchen den schnellsten Weg zurück. Da dies der gleiche Weg ist, welchen wir bereits gekommen sind, dreht Lukas um, während ich noch etwas weiter gehe.
Fotopause vor der Sattelüberquerung
Am Sattel angekommen offenbart sich mir ein gigantischer Blick über ein offenes Tal. Dieses Tal zieht mich fast schon magisch an sodass ich ihm schnellen Schrittes entgegen eile. Egal in welche Richtung ich dabei schaue, überall ist nur traumhafte Natur zu sehen. Es gibt weder Wege, Hütten noch Handyempfang. Zu hören bekomme ich nur hin und wieder das sanfte Rauschen eines Flusses, welcher sich den Berghang hinunter schlängelt. In diesem Augenblick gibt es nur mich und die Natur, sonst nichts. Das ist für mich absolute Freiheit!

Auf halbem Weg ins Tal holt mich die Zeit ein; ich muss langsam umdrehen. Schnell packe ich meine Kamera aus, an welche ich bis jetzt noch garnicht gedacht habe, und schiesse einige Fotos. 
Die endlosen Weiten des Sarek
Dann geht es zurück nach Parek, wo Lukas bereits am vereinbarten Treffpunkt wartet. Gemeinsam druchqueren wir das Sumpfgebiet, bevor wir uns einen geeigneten Schlafplatz suchen. Beim Einschlafen weiss ich schon genau: Ich muss wieder in den Sarek, um auch die anderen Gebiete dieses magischen Stückchens Natur kennen zu lernen!
Ein Hobbit!
Nacht ohne Gelsen :)